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Eine gute PTA ist niemals arbeitslos

© Bärbel Meißner

Bärbel Meißner bildet an der PTA-Schule Frankfurt PTA aus. Sie weiß, wie gefragt ihre AbsolventInnen sind. Das Schwarze Brett der Schule ist stets gut gefüllt mit Stellenangeboten der Apotheken im Rhein-Main-Gebiet

Wie kam es dazu, dass Sie Schulleiterin einer PTA-Schule wurden?
Ich habe vor meinem Pharmazie-Studium selbst eine PTA-Ausbildung an der PTA-Schule in Frankfurt absolviert und der Kontakt ist nie ganz abgerissen. Das Thema hat mich immer interessiert. Eine Zeitlang war ich im Prüfungsausschuss tätig. Dann wurde eine Stelle frei, so wurde ich zunächst Lehrerin im Fach Chemie und CPÜ, bis dann ein neuer Schulleiter gesucht wurde.

Liegt Ihnen der PTA-Beruf am Herzen? 
Aber sicher! Die PTA ist mit die wichtigste Berufsgruppe in der Apotheke. Das sind hoch qualifizierte Mitarbeiter. Die Ausbildung ist praxisnäher als das Studium – ein Vorteil gerade zu Beginn der beruflichen Karriere. Etwa 80 Prozent der Kundenkontakte laufen über die PTA und auch im Labor und in der Rezeptur sind sie unverzichtbar. Ohne sie könnten die Apotheken, wie wir sie heute kennen, gar nicht weiterbetrieben werden.

VITA
Bärbel Meißner studierte Pharmazie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Von 1994 bis 2006 leitete sie die Robert-Koch-Apotheke im hessischen Mörfelden-Walldorf. Seit 2009 ist sie Schulleiterin der PTA-Schule in Frankfurt. In dieser Zeit unterrichtete sie die Fächer Arzneimittelkunde, Chemie, Chemisch-Pharmazeutische Übungen, Drogenkunde und Apothekenpraxis

Während der PTA-Ausbildung muss man sehr viel lernen. Warum braucht man so viele Hintergrundinformationen, die doch dann in der Apotheke gar nicht mehr so wichtig sind?
Um zum Beispiel in Arzneimittelkunde die Wirkung eines Arzneimittels zu verstehen, muss man wissen, wie ein gesunder Körper funktioniert und was in einem erkrankten anders ist. In der Galenik ist es ganz ähnlich. Es reicht nicht aus, nur zu wissen, welche Bestandteile man in einen Topf reinrührt. Denken Sie beispielsweise an Wechselwirkungen zwischen Wirkstoffen und Hilfsstoffen. Da kommt auch die Chemie ins Spiel.

Sollte die PTA-Ausbildung reformiert werden? Sind die Inhalt noch zeitgemäß?
Die Inhalte versuchen wir natürlich immer an die Bedürfnisse in der Apotheke anzupassen, dennoch müssen wir uns auch an die in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für PTA festgelegten Stundenzahlen halten. Zum Beispiel sollte das Fach Galenische Übungen, meiner Meinung nach, mehr Gewicht bekommen und stundenmäßig angehoben werden. Es ist ein wichtiger Arbeitsbereich für PTA, in dem es nicht nur auf die handwerklichen Fähigkeiten ankommt. Auch das Thema Kommunikation im Sinne von Beratungsgesprächen wird immer wichtiger. Man muss die Stundenverteilung an die Bedürfnisse der heutigen Zeit anpassen. Auch eine engere Verzahnung mit der Apotheke während der Ausbildung wäre sinnvoll.

Können Sie den Schülern Tipps zum Lernen geben?
Ums eigenständige Lernen kommt man leider nicht herum. Ich denke, es ist wichtig zu erkennen, welcher Lerntyp man ist, um herauszufinden, wie man selbst am besten mit der Menge an Stoff umgeht. Dazu gehört auch ein gutes Zeitmanagement. Wir stellen im Unterricht unterschiedliche Lernmethoden vor. Die besten Erfolge sehen wir, wenn man das Gelernte immer wieder aufschreibt. Dann geht es quasi von der Hand in den Kopf.

Wie kann man sich immer wieder motivieren?
Wer seine Stärken in den Naturwissenschaften sieht, der findet in den Ausbildungsinhalten sicher seine Interessen wieder. Da ist ja eigentlich für jeden etwas dabei – Chemie, Biologie, Physik. Wenn man Spaß daran hat, mehr zu erfahren und die Zusammenhänge zu verstehen, ist das Motivation. Ziel ist es, am Ende der Ausbildung, wenn die Fächer ineinander greifen und sich der Kreis schließt, das komplette Bild zu erkennen. Eine Motivation sind natürlich auch gute Noten.

Wie kann man sich am besten auf das Examen vorbereiten?
Regelmäßigkeit und Kontinuität sind das A und O. Bleiben Sie die ganze Ausbildungszeit über am Ball! Das ist die beste Vorbereitung für die Prüfung. Wenn es in den Endspurt geht, sollte man seine Unterlagen beisammen habe. Es kostet zu viel Zeit, wenn man dann erst alles zusammentragen muss. Und bitte nicht zu spät mit der Wiederholung des Stoffs beginnen. Am Ende rennt doch immer die Zeit davon!

Worauf soll man achten, wenn man eine Apotheke für das halbjährige Praktikum auswählt?
Suchen Sie sich eine beratungsaktive Apotheke. Wenn Sie das erste Mal in der Apotheke hinter dem HV-Tisch stehen, haben Sie zwar schon eine Menge Fachwissen. Aber jetzt heißt es, das auch anzuwenden. Hier werden Sie noch viel von Ihren KollegInnen lernen können. Vielleicht gehen Sie vorher schon mal als Kunde in die potenzielle Praktikums- Apotheke und schauen, wie dort beraten wird. Die Famulatur bietet auch eine gute Möglichkeit, eine Apotheke etwas näher kennenzulernen. Ansonsten in der Apotheke der Wahl einfach mal fragen, ob Sie ein paar Tage zur Probe arbeiten dürfen!

Warum haben sich angehende PTA für diesen tollen Beruf entschieden?
Nun, dieser Beruf ist außerordentlich vielseitig. Als PTA macht man etwas Sinnvolles – man hilft Menschen, gesund zu werden oder zu bleiben. Dabei erlebt man oft auch viel Zwischenmenschliches. Oder man findet seinen Platz in Rezeptur und Labor. Es ist ein Beruf, mit dem man sich ständig weiterentwickelt, wo man up to date bleiben muss. Wer sich weiterqualifizieren möchte, dem stehen viele Möglichkeiten offen, wie Fach-PTA mit verschiedenen Schwerpunkten, Pharmazie-Ökonomie oder ein Pharmaziestudium.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER Schule 2015 ab Seite 14.

Sabine Bender | Apothekerin, Redakteurin

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