• Interview Dr. Horst W. Schuchmann
  • Aktion

Ohne PTA geht es nicht

© Dr. Horst Schuchmann

Dr. Horst W. Schuchmann arbeitet in der Apotheke täglich mit PTA zusammen und sieht sie als unverzichtbar bei der Kundenberatung und in der Rezeptur an. Großen Wert legt er auf die Fortbildung seiner Mitarbeiter.

Lohnt es sich heute noch, eine Apotheke zu betreiben?
Diese Frage beantworte ich mit einem klaren JA! Wirtschaftlich ist es in der Selbständigkeit sicher etwas anspruchsvoller geworden. Es ist hilfreich, einige betriebswirtschaftliche Aspekte stets im Blick zu halten. Aber alleine wegen der sozialen Interaktion ist es ein wunderbarer Beruf.

Wie wichtig sind PTA für die Apotheke?
Sehr wichtig! Ohne PTA geht es nicht. Sie sind in allen Bereichen der Apotheke einsetzbar. Sie führen die Arbeiten in Labor und Rezeptur kompetent aus und stellen zusammen mit den Apothekern die Apotheke für unsere Kunden dar.

Welche Erfahrungen haben Sie persönlich mit PTA in Ihrer Apotheke gemacht?
Viele sehr gute und die ein oder andere wechselhafte. Ich habe PTA als sehr kompetente und verantwortungsbewusste Mitarbeiter kennengelernt, die trotz der meist zusätzlichen familiären Doppelbelastung in Teilzeit sehr gute Arbeit leisten.

VITA
Dr. Horst W. Schuchmann studierte Pharmazie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt amMain. Nach seiner Promotion und Post-Doc-Tätigkeit arbeitete er in der öffentlichen Apotheke, bei einem verbandsnahen Unternehmen, einem EDV-Apothekendienstleister und selbstständig beratend für Kunden aus dem Gesundheitswesen. Er ist Fachapotheker für Arzneimittelinformation praktischer Betriebswirt für die Pharmazie. Seit 2011 leitet er gemeinsam mit seiner Frau die easyApotheke Dietzenbach in Hessen.

Was können Sie den Schülern für das Bewerbungsgespräch in der Apotheke raten?
Entspannt euch und erzählt mir, was ihr gut könnt. Von einem Berufsanfänger wünsche ich mir, dass er möglichst in Vollzeit arbeiten will, um sich rasch beruflich weiterzuentwickeln.

Wie wichtig sind für Sie gute Noten im PTA-Examen?
Gute Noten sind hilfreich. Der Bewerber zeigt dadurch, dass er bereit ist, sich in ein Arbeitsthema einzuarbeiten, persönlichen Einsatz zu zeigen, sorgfältig zu arbeiten und Dinge zu Ende zu bringen. Das ist wichtig für die Tätigkeit in der Apotheke. Aber auch miserable Noten müssen nicht das Aus bedeuten. In der Apotheke benötigen wir viele Kompetenzen, die sich nicht unbedingt in Schulnoten ausdrücken. Außerdem wechselt die PTA ja vom schulischen Lernen zum praktischen Lernen im Arbeitsalltag. Das liegt manchem eher. Wir lernen ja auch von den zu uns kommenden PTA, denn sie bringen interessantes Wissen und Ideen aus der Schule oder von vorherigen Arbeitsstätten mit.

Auf welche Kenntnisse und Fähigkeiten legen Sie als Chef besonderen Wert?
Freundlichkeit, besonders im Kundenkontakt, die Bereitschaft im Team zu arbeiten und täglich neue Dinge zu lernen. Ebenso sorgfältiges und genaues Arbeiten, aber auch die Fähigkeit, Fehler zuzugeben und Kritik positiv aufzunehmen. Wir möchten jedoch alle Talente unserer Mitarbeiter, zum Beispiel Kreativität oder die Fähigkeit mit neuen Medien umzugehen, nutzen, um die Kunden gut zu versorgen.

Sollte die PTA-Ausbildung Ihrer Meinung nach reformiert werden?
Welche Inhalte fehlen Ihnen? PTA sind sehr gut ausgebildet. Großes Lob an die Arbeit der Schulen. Ich kenne das Curriculum der Ausbildung nicht, kann daher also  schwierig Vorschläge unterbreiten. Sinnvoll wäre eine Einführung in ein Qualitäts-Management-System, damit die PTA die Maßnahmen der Apotheke in dieser Hinsicht einordnen können. Außerdem ist die Tätigkeit als Qualitätsmanagementbeauftragte in der Apotheke ja auch ein potenzielles Betätigungsfeld für PTA.

Nennen Sie mal ein absolutes „No go“ für die Arbeit in der Apotheke?
Flipflops – nicht nur in Rezeptur und Labor. Oder Kaugummikauen im HV.

Wie fördern Sie die Fortbildung Ihrer PTA?
Jede Berufsgruppe hat bei uns eine bestimmte Anzahl Fortbildungspunkte pro Jahr zu erbringen. Für PTA sind das mindestens 30 Stunden. Die setzen sich zusammen aus hausinternen Schulungen, die in der Regel von der Industrie unterstützt werden und themenbezogene Mitarbeiterbesprechungen zum Beispiel QM-Schulungen oder die Auswertung von Ringversuchen. Daneben ergeben sich Fort-/Weiterbildungen aus dem Leistungsangebot der Apotheke, zu denen die PTA von uns verpflichtet werden, etwa Kompressionstherapie. Fortbildungen, die von den PTA aus eigenem Interesse gewünscht werden, werden praktisch immer unterstützt, wenn es die betrieblichen Belange erlauben. Fortbildungszeit ist bei uns zu 100 Prozent bezahlte Arbeitszeit.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER Schule 2015 ab Seite 44.

Sabine Bender | Apothekerin, Redakteurin

Weitere Informationen

Das könnte Sie interessieren

„In der Gruppe lernt es sich leichter" weiter
„Mit meiner Ausbildung habe ich viele Möglichkeiten" weiter
Mitmachen und gewinnen! weiter
„Zusammenfassungen helfen mir beim Lernen" weiter
Eine gute PTA ist niemals arbeitslos weiter
Im Team muss es stimmen weiter