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Im Team muss es stimmen

© Karina Krupa

Karina Krupa ist PTA und arbeitet in einer öffentlichen Apotheke. Trotz Rabattverträgen und Dokumentationsaufwand macht ihr der Beruf viel Spaß, denn in ihrer Apotheke wird sie nicht nur gefordert, sondern auch gefördert.

Wie haben Sie Ihre derzeitige Stelle bekommen?
Während der PTA-Ausbildung ist es ja Pflicht, ein insgesamt vierwöchiges Praktikum zu absolvieren – die Famulatur. Zwei Wochen davon arbeitete ich in meiner jetzigen Apotheke. Es hat mir so gut gefallen, dass ich mein halbjähriges Praktikum nach den zwei Jahren PTA-Schule auch dort machen wollte. Also schrieb ich eine Bewerbung und wurde angenommen. Ich hatte dann das Glück, nach meiner Ausbildung direkt übernommen zu werden.

Wie war das, als Sie zum ersten Mal in der Apotheke hinter dem HV-Tisch standen?
Ich war sehr aufgeregt. Aber ich wurde sehr gut und intensiv von meinen Kolleginnen darauf vorbereitet. Sie haben mich nicht einfach ins kalte Wasser geworfen, sondern nahmen sich Zeit für mich. Vorab erhielt ich eine Kassenschulung und verschiedene Inhouse-Schulungen zu Themen wie Bluthochdruck, Diabetes mit Pen-Schulung, Marketing, Homöopathie, Kundenreklamation etc., die das gelernte Wissen vertieften und eine gute Vorbereitung für die Beratung im Handverkauf waren.

VITA
Karina Krupa absolvierte nach dem Abitur eine PTA-Ausbildung an der Martin-Behaim-Schule in Darmstadt. Seit ihrem Examen 2010 arbeitet sie in der Apotheke zum Löwen in Offenbach. Die Apotheke beschäftigt etwa 60 Mitarbeiter und betreibt eine Filiale sowie ein Kosmetikinstitut.

Als ich jedoch zum ersten Mal am HV-Tisch stand, wusste ich plötzlich nichts mehr. Mein Kopf war leer. Wie bedient man die Kasse, einzelne durchgesprochene Vorgänge, geschweige denn kompetentes Beraten - alles war weg. Mit jedem einzelnen Kunden wurde ich aber sicherer und jeden Tag ging es mir leichter von der Hand.

Welche Aufgabengebiete haben Sie heute? Was machen Sie am liebsten?
Ich arbeite viel in der Beratung, bin aber auch in der Rezeptur fest eingebunden und das macht mir persönlich am meisten Spaß, trotz der neuen Dokumentationspflicht. Ich gehöre außerdem zu unserem Hilfsmittel- und QMS-Team. Weitere Bereiche sind die Ernährungs- und Kosmetikberatung. Da wir ein großer Betrieb sind, besitzen wir einen eigenen Betriebsrat, in den ich gewählt wurde und auch hier stelle ich mich gerne den Anforderungen.

Fühlten Sie sich durch die PTASchule gut auf den Arbeitsalltag vorbereitet?
Ehrlich gesagt, für die Beratung im HV - nein. Für die Rezeptur auf jeden Fall ein Ja. Man lernt sehr viel und intensiv, aber diese zwei Jahre ausschließlicher Schulunterricht sind nicht wirklich praxisnah. Das ganze Wissen kann man nur mit der Zeit abrufen. Ich hatte das Glück, durch die Apotheke gut auf die Beratung im HV, was meine Hauptaufgabe darstellt, vorbereitet zu werden. In der Rezeptur hatte ich dagegen keine Probleme, direkt nach der Schule in den Apothekenalltag einzusteigen.

Macht Ihnen Ihr Beruf noch Spaß?
Auf jeden Fall! Er ist total abwechslungsreich. Jeder Tag ist aufs Neue spannend und aufregend, weil man nicht weiß, was einen erwartet. Es gibt keinen Stillstand und immer wieder andere Herausforderungen, an die man mit den Kollegen herangeht. Im Team muss es stimmen, sonst würde es nicht funktionieren.

Wie wichtig ist Ihnen ein gutes Betriebsklima?
Dies ist sehr wichtig für die Arbeit und auch entscheidend für ein erfolgreiches Unternehmen. Schließlich sieht man sich jeden Tag und das teilweise zehn Stunden. Man tauscht sich über positive und negative Erlebnisse mit Kunden aus, aber auch das Privatleben ist stets präsent. Es wird gemeinsam gelacht und geweint. Ein wesentlicher Bestandteil sind auch unsere jährlichen Betriebsausflüge, Weihnachtsfeiern, Jubiläen oder Fortbildungswochenenden, aus denen wir als Team immer wieder gestärkt hervorgehen.

Wie ist das mit den Arbeitszeiten bei Ihnen in der Apotheke geregelt?
Wir haben durchgehend von 8 bis 19 Uhr von Montag bis Samstag geöffnet. Die meisten Kolleginnen arbeiten halbtags. Ich selbst arbeite 36,5 Stunden, mit einem festen freien Tag unter der Woche. Im Schnitt arbeiten wir alle drei Wochen samstags, in einem bestimmten Rhythmus. Die Arbeitszeiten lassen sich relativ flexibel gestalten. Es wird geschaut, welches Modell einem am besten zusagt, ob man zum Beispiel einen ganzen Tag frei haben möchte oder lieber zwei Nachmittage.

Bilden Sie sich regelmäßig fort? Wenn ja, wie?
Aber sicher! Fortbildungen sind sehr wichtig und machen auch Spaß. Man muss sein Wissen ja immer auf dem aktuellen Stand halten. Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich fortzubilden. Über den HAV oder den BVpta, bei Abendveranstaltungen unterschiedlicher Arzneimittelhersteller und durch Fachzeitschriften. Viele Firmen bieten direkt Ausbildungen zur Fach-PTA an, beispielsweise in den Bereichen Ernährung, Phytotherapie oder Kosmetik.

Können Sie den Schülern einen Rat für die Vorbereitung auf das Examen geben?
Auch wenn ihr das wahrscheinlich schon ganz oft gehört habt, kontinuierliches Mitarbeiten ist wirklich entscheidend. Bereitet euch auf jede einzelne Klausur gut vor und ruft euch das gelernte Wissen immer wieder ins Gedächtnis. Dann kommt euch der riesige Berg an Lernstoff nicht mehr so hoch vor. Mir halfen Zusammenfassungen, Karteikarten und das Austauschen mit Klassenkameraden.

Können Sie sich vorstellen, bis zur Rente in der Apotheke zu arbeiten? Wie ist das, wenn man mal Kinder hat?
Ich kann mir das sogar sehr gut vorstellen. Vor allem in meiner Apotheke. Wir sind ein tolles und lustiges Team mit einer jungen, aufgeschlossenen und gerechten Chefin in vierter Generation. Man fühlt sich als Teil einer Familie. Dass sich Familie und Beruf sehr gut unter einem Hut bringen lassen, habe ich bei Kolleginnen gesehen. Der Wiedereinstieg in den Beruf wird einem bei uns ohne Probleme ermöglicht, zum Beispiel durch Schulungen und individuelle Teilzeitmodelle.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER Schule 2015 ab Seite 28.

Sabine Bender | Apothekerin, Redakteurin

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