Nur peripher oder auch zentral?

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Die sedierende Wirkung der H1-Antihistaminika kann eine unerwünschte Nebenwirkung, aber auch die erwünschte Hauptwirkung sein. Wie lässt sich dies im einen Fall vermeiden, im anderen therapeutisch nutzen?

Als im Jahre 1942 das erste H1-Antihistaminikum auf den Markt kam, konnte man die einzelnen Wirkqualitäten noch nicht voneinander trennen. Auch war bis dahin lediglich der H1-Rezeptor bekannt, die Entdeckung des H2-Rezeptors folgte erst 30 Jahre später. Man wusste aber, dass die Substanz, Chlorpheniramin, die Wirkung des Histamins kompetitiv an diesem Rezeptor hemmt und bei allergischen Reaktionen Linderung verschafft.

Wirkung Histamin wird in den Mastzellen und in den basophilen Granulozyten gespeichert und unter anderem bei Überempfindlichkeitsreaktionen freigesetzt. Bindet es an die H1-Rezeptoren, so führt dies zur ganzen Palette der allergischen Symptome: Lokal sind dies Rötung, Schwellung und Juckreiz. Daneben sind auch Symptome einer systemischen Histaminwirkung möglich, also Bronchokonstriktion und Blutdruckabfall. Dies alles sind Wirkungen, die durch die Bindung des Histamins an periphere Histamin-Rezeptoren zustande kommen. Gleichzeitig finden sich solche Rezeptoren jedoch auch im ZNS. Hier sind sie unter anderem am Erhalt des Wachzustandes beteiligt.

Einteilung in Generationen Das erste Antihistaminikum Chlorpheniramin ist dem Histamin chemisch gesehen recht ähnlich. Es bindet an die peripheren H1-Rezeptoren, blockiert sie und verhindert die Histaminreaktion. Da es eher unpolar ist, kann es aber auch leicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Es gelangt ins ZNS, hemmt dort ebenfalls die H1-Rezeptoren und hat entsprechende zentrale Wirkungen.

Konkret heißt das, es macht müde, was bei der Anwendung als Antiallergikum unerwünscht ist. Andere Antihistaminika, die in der Zeit danach entwickelt wurden, wie beispielsweise Diphenhydramin, Dimenhydrinat oder Doxylamin, verhalten sich ähnlich. Bekannt sind sie heute nur noch als Sedativa und Hypnotika, Diphenhydramin und Dimenhydrinat auch als Antiemetika. Wieder andere, wie das Dimetinden, werden nur lokal bei allergischen Reaktionen der Haut eingesetzt. Man bezeichnet diese unpolaren und leicht ZNS-gängigen Substanzen als Antihistaminika der ersten Generation.

Das Ziel weiterer Entwicklungen war es, die zentralen Nebenwirkungen zu verringern. Dazu führte man polare Gruppen ins Molekül ein. Cetirizin und Loratadin sind solche Weiterentwicklungen, die durch ihre Polarität die Blut-Hirn-Schranke nicht mehr überwinden können. Diese Antihistaminika der zweiten Generation machen nicht oder kaum mehr müde und wirken auch nicht antiemetisch, wohl aber antiallergisch. Die neuesten Entwicklungen werden als dritte Generation bezeichnet. Dazu gehören das enantiomerenreine Levocetirizin oder die aktiven Metabolite von Loratadin, das Desloratadin und von Terfenadin, das Fexofenadin. Beim Fexofenadin konnte man das Risiko von Herz-Rhythmus-Störungen im Vergleich zu Terfenadin verringern.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER SCHULE 2015 auf Seite 6.

Sabine Bender | Apothekerin, Redakteurin

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