Allergisch auf Konservierungsmittel

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Konservierungsmittelfreie Arzneimittel und Kosmetika liegen voll im Trend. Das ist gut so, denn viele Menschen entwickeln eine Allergie gegen Parabene & Co. Warum gerade gegen diese nützlichen Hilfsstoffe?

Ohne Konservierungsmittel geht es oftmals nicht. Sie sind in vielen Fällen notwendig, um das Produkt vor mikrobiellem Verfall und Verderb und gleichzeitig den Anwender vor einer Infektion zu schützen. Immer dann, wenn die Zubereitung Wasser enthält und nicht schon durch Inhaltsstoffe mit antimikrobiellen Eigenschaften automatisch geschützt ist, besteht die Gefahr, dass sich Bakterien oder Pilze darin vermehren können. Da nützt es auch nichts, dass das Produkt steril hergestellt und abgefüllt wird. Beim ersten Öffnen durch den Benutzer können Keime hineingelangen und sich dann vermehren.

Manche Hersteller von Augen- und Nasentropfen vermeiden dies, indem sie die Lösungen in spezielle Behältnisse füllen, die bei der Entnahme keine Luft zurückströmen lassen. Andere bieten zum Beispiel Augentropfen in Eindosenbehältnissen an. In allen anderen Fällen muss konserviert werden, wenn das Produkt geöffnet über einen längeren Zeitraum haltbar sein soll.

Amphiphile Eigenschaften Dass Konservierungsmittel nicht nur Einzeller abtöten, sondern auch gleichzeitig Allergien auslösen, liegt an einer bestimmten Eigenschaft dieser Stoffe: Fast alle Konservierungsmittel sind nämlich amphiphil, auch wenn sie chemisch ganz unterschiedlich aufgebaut sind. Sie haben also, ähnlich wie ein Emulgator, eine hydrophile und eine lipophile Seite. Das brauchen sie für ihre konservierende Wirkung.

Zunächst einmal müssen sie sich in der wässrigen Phase einer Zubereitung lösen, denn dort befinden sich auch die Bakterien oder Pilze. Dafür müssen sie ausreichend hydrophil sein. Um dann in die Zelle eindringen zu können, müssen sie jedoch auch über eine gewisse Lipophilie verfügen. Sind sie dort angekommen, dann lagern sie sich an bestimmte Strukturen und reagieren mit ihnen. Dies können Proteine, beispielsweise Enzyme sein, die dadurch blockiert werden und ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Die Bakterien- oder Pilzzelle stirbt ab oder wird zumindest an ihrer Vermehrung gehindert.

Zelle ist Zelle Leider kann ein Konservierungsmittel nicht zwischen menschlicher und Bakterienzelle unterscheiden. Tropfen wir uns konservierte Augentropfen ins Auge, dann werden einige Konservierungsmittel-Moleküle auch in Zellen unserer Bindehaut eindringen und dort Enzyme blockieren. Glücklicherweise verfügen wir über mehr Zellen als ein Bakterium, sodass dies für uns nicht die gleichen Folgen hat. Trotzdem kann natürlich die Bindehaut gereizt werden, denn einzelne Zellen werden geschädigt.

Und gleichzeitig entstehen durch Reaktion des Konservierungsmittels mit einem Protein Fremdeinweiße, die vom Körper als solche erkannt werden können. Darauf kann er mit einer überschießenden Immunreaktion, also mit einer Allergie, antworten. Konservierungsmittel besitzen also tatsächlich ein allergenes Potenzial. Das ist von ihrer Wirkung nicht zu trennen. Und je häufiger sie eingesetzt werden, umso mehr Menschen können sich sensibilisieren.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER SCHULE 2015 auf Seite 10.

Sabine Bender | Apothekerin, Redakteurin

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