Mit Druck in die Tiefe

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Leicht verwickelt man sich in die unterschiedlichen Arten von Binden. So viele sind es aber gar nicht. Neben reinen Fixierbinden gibt es Kurz- und Langzugbinden. Sie unterscheiden sich in ihren Einsatzgebieten.

Binden sind Gewebe. Sie bestehen aus Kett- und Schussfäden. Es gibt sie in verschiedenen Breiten, üblich sind Fixierbinden von vier, sechs, acht und zehn Zentimetern und Kurz- und Langzugbinden von sechs, acht und zehn Zentimetern. Je dicker das zu umwickelnde Körperteil, desto breiter darf die Binde sein. Ist sie zu breit, wird es schwierig, sie faltenfrei anzulegen. Fixierbinden sind meist vier oder fünf Meter lang, es gibt aber auch solche mit 20 Metern Länge. Bei Lang- und Kurzzugbinden wird die Länge teilweise gedehnt angegeben und beträgt dann 7 oder 14 Meter.

Keine Kompression Fixierbinden dienen, wie es der Name schon sagt, zum Fixieren, also zum Befestigen, beispielsweise von Wundauflagen, Polstermaterial oder Kanülen. Manche Fixierbinden bestehen nur aus Baumwolle und/oder Viskose und sind dann starr, was vor allem an den Gelenken wenig Bewegungsfreiheit zulässt und leicht zu Einschnürungen führt. Andere enthalten stark überdrehte Kettfäden aus Baumwolle oder elastische Kettfäden aus Polyamid. Sie machen auch Bewegungen mit.

Sehr praktisch sind kohäsive Binden. Sie haften auf sich selbst, jedoch nicht auf Haut und Haaren. Dadurch verrutschen sie nicht und lassen sich dennoch leicht wieder abnehmen. Auch farbige Fixierbinden sind erhältlich. Eine nennenswerte Kompression, das heißt, einen Druck auf das verbundene Körperteil, üben Fixierbinden generell nicht aus. Hierfür benötigt man Binden, die deutlich dichter gewebt sind.

Kurzer Zug – tiefe Wirkung Eine Kurzzugbinde kann man maximal um bis zu 50 bis 70 Prozent ihrer ursprünglichen Länge dehnen. In gespanntem Zustand hat sie nur ein geringes Bestreben, sich wieder zurückzuziehen. Ans Bein wird sie leicht vorgedehnt angelegt, kann dort aber keinen aktiven Druck ausüben, weil sie, wie beschrieben, nur eine schwache Rückstellkraft hat. Man sagt, sie hat einen geringen Ruhedruck. Ihre Aufgabe ist es, ein starkes Widerlager für die Muskulatur beim Laufen zu bilden. Das heißt, bei jedem Schritt drückt der Muskel, der sich während der Kontraktion ausdehnt, nach außen gegen den Verband. Dieser kann sich kaum noch weiter ausdehnen und übt seinerseits einen starken Druck nach innen auf die Muskulatur und die darin verlaufenden Venen aus.

Bei jedem Schritt wechseln die Druckverhältnisse also zwischen einem niedrigen Ruhedruck und einem hohen Arbeitsruck. So wird die Muskelpumpe unterstützt und Ödeme werden ausgeschwemmt. Kurzzugbinden sind daher vor allem bei Venenleiden indiziert. Eine noch stärkere Tiefenwirkung erreicht man nur mit den halbstarren Zinkleimbinden.

Kurzzugbinden können aus überdrehtem Baumwollgarn oder aus synthetischen Fasern, in der Regel Polyamid und/oder Elasthan, bestehen. Solche aus reiner Baumwolle nennt man auch Idealbinden. Sie leiern bei der Anwendung schnell aus, lassen sich aber durch Waschen in der Waschmaschine wieder regenerieren. Nur Bügeln darf man sie nicht. Enthalten sie Polyamid und/oder Elasthan, werden sie als dauerelastisch bezeichnet. Es ist nicht ganz einfach, bei einer Kurzzugbinde die richtige Anwickelspannung zu finden, daher sollte das Anlegen Arzt oder Pflegern vorbehalten bleiben.

Langer Zug – oberflächliche Wirkung Langzugbinden haben eine Dehnbarkeit von bis zu 200 Prozent. Sie enthalten entweder Gummifäden oder elastische Fasern aus Polyamid und einem höheren Anteil an Elasthan oder aus Polyurethan. Die elastischen Fäden lassen sich leicht in die Länge ziehen, sorgen aber auch dafür, dass sich die Binde nach der Ausdehnung wieder in die ursprüngliche Lage zurückzieht. Da auch diese Binde mit einer gewissen Vordehnung angelegt wird, ist der Ruhedruck entsprechend hoch. Durch die Muskelkontraktion beim Laufen dehnt sich das Material allerdings leicht weiter aus, sodass der Arbeitsdruck kaum höher ist als der Ruhedruck. Dadurch kann man nur oberflächliche Venenbereiche beeinflussen. Tiefe Venen kann man so nicht erreichen.

Aufgabe der Langzugbinden ist es vorwiegend, Gelenke zu stützen, beispielsweise bei Verstauchungen. Wegen ihres hohen Ruhedrucks dürfen sie nicht über Nacht oder in Ruhephasen angelegt bleiben. Bei fehlender Muskeltätigkeit kann es sonst zu einer unerwünschten Komprimierung der feinen Blutgefäße in der Haut kommen. Da sich Ruhe- und Arbeitsdruck nur wenig unterscheiden, kann man beim Anlegen nicht viel falsch machen, sodass der Patient oder ein Familienangehöriger den Verband zuhause auch selber anwickeln kann.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER SCHULE 2015 ab Seite 32.

Sabine Bender | Apothekerin, Redakteurin

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