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Immer der Nase nach

© Stefani_Ecknig / iStock / Thinkstock

Der charakteristische Geruch vieler Pflanzen ist auf ätherische Öle zurückzuführen. Damit ist auch schon eine wesentliche Eigenschaft dieser ansonsten doch recht uneinheitlichen Stoffgruppe genannt.

Ätherische Öle sind bei Raumtemperatur flüssige, aber leicht flüchtige und stark riechende, lipophile Gemische sekundärer Stoffwechselprodukte von Pflanzen. Die einzelnen Bestandteile eines ätherischen Öls sind ganz unterschiedliche, aber stets niedermolekulare Verbindungen, die chemisch im Wesentlichen den Terpenen, genauer den Mono-, Sesqui- und Diterpenen, sowie den Phenylpropanen zugeordnet werden.

Terpene bestehen stets aus C5-Einheiten, die in der Pflanze miteinander verknüpft werden. Dabei können sowohl aliphatische als auch cyclische Verbindungen entstehen. Neben den Terpenen finden sich aber auch aliphatische Kohlenwasserstoffe, deren sauerstoffhaltige Derivate, Phenole, Ether sowie schwefel- und stickstoffhaltige Verbindungen. Dass dies stets kleine Moleküle sind, verwundert nicht, denn wären es Makromoleküle, so wären sie nicht leicht flüchtig, könnten sich dementsprechend nicht in der Luft verteilen und damit auch nicht über die Nase wahrgenommen werden. 

Fraßschutz und Lockmittel Die Pflanze stellt ätherische Öle her, um damit Insekten zur Bestäubung anzulocken, aber auch um Schädlinge fernzuhalten. Da einige ätherische Öle auch antibakterielle und antimykotische Eigenschaften besitzen, kann sich die Pflanze damit sogar vor Infektionskrankheiten schützen. Sie werden im Pflanzengewebe an abgegrenzten Orten gespeichert.

Man unterscheidet lysigene und schizogene Ölbehälter, Ölzellen und Drüsenhaare oder -schuppen. Diese Öldepots können sich in Blüten, Blättern, Samen, Wurzeln, in der Rinde oder im Holz befinden. Genau genommen kommen ätherische Öle fast überall und in jeder Pflanze vor. Von therapeutischem Interesse sind jedoch nur solche, aus denen man mehr als 0,01 Prozent isolieren kann.

Duftstoff und Therapeutikum Den größten Bedarf an ätherischen Ölen haben die Parfüm- und die Kosmetikindustrie sowie die Lebensmittelindustrie. Die pharmazeutische Verwendung ist so unterschiedlich wie die Zusammensetzung der Öle. Sie werden als Expektoranzien, Stomachika, Spasmolytika, Diuretika, Cholagoga, Antiseptika, aber auch als Anthelmintika, also gegen Würmer, sowie als antiparasitäre Mittel eingesetzt. Häufig sind es nicht die einzelnen Inhaltsstoffe, die die Wirkung ausmachen; es ist die Gesamtheit des ätherischen Öls.

Handelsqualitäten Da die Bezeichnung „ätherisches Öl“ nicht geschützt ist, wird es im Handel auch für synthetische Produkte verwendet. Naturbelassene Öle werden direkt aus der Pflanze gewonnen, natürliche Öle enthalten zwar keine synthetischen Zusätze, können aber aus mehreren Komponenten, die auch aus anderen Pflanzen gewonnen wurden, bestehen. Naturidentische Öle werden nach dem Vorbild natürlicher ätherischer Öle synthetisch hergestellt, sodass sie ähnlich wie natürliche Öle riechen.

Ihre Zusammensetzung ist aber meist weniger komplex. Künstliche Öle sind synthetische Öle, die keinem natürlichen Öl nachempfunden sind. Sie werden ganz gezielt auf bestimmte Geruchseigenschaften hin entworfen. Unumstritten sind sie nicht. Denn durch ihre Lipophilie können sie sich im Fettgewebe anreichern und unerwünschte Wirkungen auslösen.

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