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50 oder 70 Prozent?

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Die beiden Klassiker des Deutschen Arzneibuches (DAB), die wasserhaltigen Varianten von Wollwachsalkoholsalbe und hydrophiler Salbe haben neue Namen bekommen. Außerdem sollten Sie wissen, wie viel Wasser sie enthalten.

Aus pharmazeutischer Sicht und nach den Regeln des Europäischen Arzneibuches sind die Begriffe Salbe und Creme nicht dasselbe, auch wenn sie häufig synonym verwendet werden. Sie bezeichnen definierte halbfeste Grundlagen mit ganz unterschiedlichen galenischen Eigenschaften. Salben sind danach halbfeste Zubereitungen, die kein Wasser enthalten. Sie sind einphasig.

Eventuell enthaltene Wirkstoffe können darin gelöst oder dispergiert sein. Sie bleiben relativ lange auf der Hautoberfläche und werden gerne verwendet, wenn ein Wirkstoff langsam durch die Haut penetrieren soll. Einige Salben sind in der Lage, Wasser aufzunehmen. Man nennt sie im Gegensatz zu den hydrophoben Salben, die das nicht können, hydrophile Salben oder, wenn sie Emulgatoren enthalten, wasseraufnehmende Salben.

Cremes dagegen enthalten neben einer lipophilen Phase bereits Wasser. Sie sind mehrphasig. Im Unterschied zu einer klassischen Emulsion sind sie jedoch nicht flüssig, sondern wie die Salben halbfest. Ihre Konsistenz trägt zur Stabilisierung bei und schützt vor Aufrahmung.

Dennoch enthalten Cremes in der Regel Emulgatoren, die die Grenzflächenspannung zwischen den Phasen herabsetzt. Wie bei Emulsionen unterscheidet man bei Cremes auch solche vom Typ O/W und W/O (lipophile Cremes). Eine wasserhaltige Salbe gibt es eigentlich gar nicht, denn sie wird ja durch das Einarbeiten von Wasser zur Creme. 

Korrekte Bezeichnung Sowohl die wasserhaltige hydrophile Salbe (Unguentum emulsificans aquosum) als auch die wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe (Eucerinum cum aqua) sind, wie es der Name schon sagt, wasserhaltig. Es sind also gar keine Salben, auch wenn sich die Namen eingeprägt haben, sondern Cremes. Im Deutschen Arzneibuch wurden die Namen entsprechend angepasst. Die wasserhaltige hydrophile Salbe wurde zur nichtionischen hydrophilen Creme DAB und die wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe ist unter der Bezeichnung Wollwachsalkoholcreme DAB zu finden.

In vielen Apotheken werden die Standgefäße der Grundlagen mit den lateinischen Namen beschriftet. Wer sich an Unguentum emulsificans aquosum oder Eucerinum cum Aqua gewöhnt hat, muss sich nicht umstellen. Das lateinische Wort „Unguentum“ leitet sich vom Verb „unguere“ ab, was „salben“ oder „einstreichen“ bedeutet. Es wird sowohl für Salben als auch für Cremes verwendet.

50 Prozent Wasseranteil Die wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe wird zu gleichen Teilen aus Wollwachsalkoholsalbe, auch Eucerinum® anhydricum genannt, und Wasser hergestellt. 100 Gramm enthalten 0,25 Gramm Cetylstearylalkohol, 3 Gramm Wollwachsalkohole, 46,75 Gramm weißes Vaselin und 50 Gramm gereinigtes Wasser. Die beiden ersten Bestandteile dienen als Emulgatoren. Es bildet sich eine W/O-Emulsion, die die Creme lipophil oder hydrophob macht.

Da die Wasserphase die innere Phase ist, ist die Creme nicht sehr anfällig für Bakterien und eine Konservierung ist nicht dringend notwendig. Unkonserviert ist sie in der Kruke vier Wochen haltbar, in der Spenderdose sechs Monate. Eingesetzt wird Wollwachsalkoholsalbe zur schonenden Fettung der Haut, beispielsweise bei trockenen Hautzuständen, chronischen Dermatitiden und zur Regenerierung nach entzündlichen Hauterkrankungen.

Die Creme ist gut dosierbar, aber schlecht abwaschbar und hinterlässt einen Fettglanz auf der Haut. Nachteilig ist ihr mäßiges Emulgiervermögen. Zusätzliche Rezepturbestandteile können als Emulsionsstörer fungieren. So führen Tannin, Polidocanol, Ammoniumbituminosulfat, Steinkohlenteerlösung, Salicylsäure, Aluminiumchlorid und Harnstoff, aber auch Emulgatoren aus eingearbeiteten hydrophilen Cremes, zum Austritt von Wasser oder zum kompletten Brechen der Emulsion. Problematisch ist auch das allergische Potenzial der Wollwachsalkohole.

70 Prozent Wasseranteil 100 Gramm der nichtionischen hydrophilen Creme enthalten 9 Gramm emulgierenden Cetylstearylalkohol, 10,5 Gramm dickflüssiges Paraffin, 10,5 Gramm weißes Vaselin und 70 Gramm Wasser. Der emulgierende Cetylstearylalkohol fungiert als Emulgator und bildet aus den lipophilen Bestandteilen Paraffin und Vaselin mit dem Wasser eine O/WEmulsion.

Kationenaktive Arzneistoffe führen allerdings zum Brechen der Emulsion. Bezieht man die Creme über den pharmazeutischen Großhandel, so ist sie mit 0,1 Gramm Sorbinsäure vorkonserviert, was durch die für Bakterien leichte Zugänglichkeit der äußeren Wasserphase sinnvoll ist. Durch basische Wirkstoffe, wie Erythromycin, geht der antimikrobielle Schutz verloren.

Ohne Konservierung ist die Creme eine Woche haltbar. Eingesetzt wird die nichtionische hydrophile Creme, meist nach Einarbeitung von Wirkstoffen, wegen ihrer gering fettenden, kühlenden und schonend austrocknenden Wirkung, bei akuten bis subakuten Dermatitiden. Sie zieht gut ein und ist leicht abwaschbar. Man kann sie bis zum etwa Fünffachen mit Wasser verdünnen, wobei eine flüssige Emulsion entsteht.

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER SCHULE 2016 ab Seite 28.

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